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Pflegekräfte fair bezahlen

15. Oktober 2015

Pflege-Symposium der Versicherungskammer Bayern

Pflegepraktiker und Entscheider stehen vor vielfältigen Herausforderungen. Um die Zukunft tragfähig zu gestalten, müsse man neue Versorgungsformen und -angebote entwickeln. Darin sind sich Fachleute aus Pflegepraxis, Politik, Medizin, Recht und Pflegeversicherung auf dem zweiten Pflege-Symposium der Versicherungskammer Bayern einig. Unter dem Motto „Pflege braucht Vielfalt“ diskutieren sie über die Gegenwart und die Zukunft der Pflege.

München. Melanie Huml, Bayerns Staatsministerin für Gesundheit und Pflege und Schirmherrin des Pflege-Symposiums, erklärt dazu: „Pflege braucht Vielfalt. Deswegen setzt sich die Bayerische Staatsregierung dafür ein, allen Pflegebedürftigen eine menschliche und zugewandte Pflege zu ermöglichen – mit guten Rahmenbedingungen für Pflegekräfte und Entlastung für pflegende Angehörige.“

Entwicklung der Pflegesituation wird sich verschärfen
„Oft wissen die Angehörigen nicht, was auf sie zukommt, wenn dem Pflegebedürftigen die finanziellen Mittel für die Pflege fehlen“, sagt Dr. Harald Benzing, Vorstandsmitglied der Versicherungskammer Bayern. Überraschend sei auch: „Heute ist ein Fünftel der Pflegebedürftigen jünger als 60 Jahre. Und je älter man wird, desto wahrscheinlicher ist es, im Alter pflegebedürftig zu werden. Auch werde man bei einem Pflegefall in der Familie mit vielen Fragen konfrontiert, auf die man dann schnell eine Antwort benötigt.

Die gesetzliche Pflegeversicherung sei nur als eine „Teil-Kasko“ konzipiert. Das heißt, sie zahlt weniger als die Hälfte der Kosten für die Pflege. „Der Betroffene muss damit den größeren Anteil aus der eigenen Tasche bezahlen. So hohe Summen können viele Pflegebedürftige nicht aufbringen“, sagt Dr. Benzing. „Aus meiner Sicht gibt es nur einen Weg aus dieser Kostenfalle: eigenverantwortlich privat vorsorgen. Deshalb wurde die staatlich geförderte Pflegeversicherung eingeführt. Eine Eigenvorsorge ist auf jeden Fall erforderlich.“
Wichtig für die Zukunft der Pflege sei zudem, Betreuungs- und Pflege­angebote bereitzustellen und auszuweiten, das heißt: neue Versorgungsformen entwickeln, Beratungsangebote für Angehörige ausbauen und den Fachkräftemangel beheben. Denn durch die wachsende Nachfrage nach professioneller Hilfe werden immer mehr Fachkräfte benötigt, die auch fair bezahlt werden sollen.

Was die Pflegestärkungsgesetze verbessern
Wolfgang Zöller, ehemaliger Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender der Expertenkommission zur Einführung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs, erläutert das geplante zweite Pflegestärkungsgesetz, das ab 2017 umgesetzt werden soll. Damit werden ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff und ein neues Begutachtungsverfahren eingeführt. Zöller hebt deren Vorteile hervor: „Die bisherige Unterscheidung zwischen Pflegebedürftigen mit körperlichen Einschränkungen einerseits und kognitiven sowie psychischen Einschränkungen (insbesondere Demenzkranke) andererseits soll dadurch wegfallen. Im Zentrum steht der individuelle Unterstützungsbedarf jedes Einzelnen. Dadurch wird die Pflegeversicherung auf eine neue Grundlage gestellt.“
Das neue Gesetz „bringt zwar mehr Gerechtigkeit und passgenauere Leistungen ins System. Diese kommen in erster Linie den Patienten und Bewohnern zugute – und das ist gut so.“ Aber Zöller macht deutlich, ebenso wie Benzing, dass wir „mehr und gut ausgebildete Pflegekräfte“ benötigen und dass diese fair bezahlt werden: „Wer als gut ausgebildete Fachkraft einen Menschen pflegt, sollte genauso viel bekommen wie eine gut ausgebildete Fachkraft, die komplizierte Maschinen am Laufen hält.“

Rechtzeitig selber wesentliche Entscheidungen treffen
Axel Listle, Fachanwalt für Familienrecht bei Eversheds LLP, rät: „Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung und Generalvollmacht bieten in guten Zeiten die Möglichkeit, in Würde und Selbstbestimmung für schlechte Zeiten vorzusorgen. Allein die Auseinandersetzung bei der Erstellung dieser Dokumente hilft sehr, sich selbst über verschiedene Punkte Klarheit zu verschaffen. Außerdem sind ausdrückliche Regelungen für die Angehörigen eine enorme Erleichterung. Denn in Unglücksfällen liegen die Nerven blank und die meisten sind ohnehin bis an die Grenzen der Belastbarkeit gefordert.“
Listle empfiehlt außerdem: „Scheuen Sie nicht die dazu erforderliche Mühe, Zeit und Kosten und schieben Sie diese Fragen nicht vor sich her – sie sind neben einem guten Testament essentiell wichtig für eine verantwortungsvolle Vorsorge, und für Sie selbst, Ihre Angehörigen und ihr Umfeld zu bedeutend, um auf die lange Bank geschoben zu werden.“

Weitere Infos sowie die Vorträge unter www.versicherungskammer-bayern.de/Über uns/Presse/Veranstaltungen/Pflegesymposium 2015.

Auf Anfrage sind Fotos der Referenten und der Veranstaltung erhältlich.