• Urlaub mit Diabetes - Die wichtigsten Tipps für eine sichere und entspannte Reise

    Urlaub mit Diabetes:
    Die wichtigsten Tipps für eine sichere und entspannte Reise

Reisen mit Diabetes galt lange Zeit als große He­raus­for­der­ung. Ins­besondere Back­packing-Reisen, wie nach Süd­ost­asien oder Süd­am­eri­ka, stellten Menschen mit der Stoff­wechsel­krankheit vor Probleme. Heute ist ein Urlaub mit Diabetes jedoch kein Problem mehr – dank moderner Therapien und Ver­sorgungs­optionen. Wie die Reise gelingt und möglichst entspannt verläuft, erzählt die Bloggerin Stephanie Haack.

Mit 18 Jahren, gleich nach dem Abitur, will Stephanie Haack das erste Mal eine größere Reise antreten. Es soll nach Vietnam gehen: Ein Jahr Freiwilligenarbeit in tropischem Klima. Doch noch bevor sie die Abiturprüfung ablegt, wird bei ihr Diabetes Typ 1 diagnostiziert. Ihr Arzt rät dringend von der Reise ab, mehr noch: Er macht ihr klar, dass ein vergleichbarer Urlaub mit Diabetes vorerst nicht möglich sein wird. Erst Jahre später stellt Stephanie fest, dass dies überhaupt nicht stimmt.
Über soziale Medien wie Twitter und Facebook lernt sie über die Jahre andere Menschen mit Diabetes kennen, die ihre Erfahrungen und ihr Wissen öffentlich teilen – und auch regelmäßig mit Diabetes in den Urlaub fahren. Steffi vernetzt sich, tauscht sich aus und bekommt Tipps. Um der Community etwas zurück­zu­ge­ben, startet sie 2015 einen eigenen Blog, Pep Me Up, auf dem sie über das Leben und Reisen mit Diabetes schreibt. Mittler­weile war Steffi nicht nur in Vietnam, sondern unter anderem auch in Bolivien, Uganda, Südafrika und den USA. Ein Semester hat sie in Russland verbracht und für ihren Auslands-Master ging es nach Edinburgh. Fakt ist: Reisen mit Diabetes ist möglich. Es braucht jedoch eine umfassende Vorbereitung.

Wie bereite ich mich als Mensch mit Diabetes auf den Urlaub vor?

Derzeit leben in Deutschland ungefähr acht Millionen Menschen mit Diabetes. Circa 90 bis 95 Prozent davon haben Diabetes Typ 2, fünf bis zehn Prozent erkranken an Diabetes Typ 1. Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Diabetesformen:
  • Diabetes Typ 1 ist eine Autoimmunkrankheit, bei der die Bauchspeicheldrüse versagt. Die Krankheit tritt oft sehr plötzlich im Kindes- oder Jugendalter auf. Menschen mit Diabetes Typ 1 müssen in der Regel direkt nach der Diagnose mit Insulin behandelt werden.
  • Hinter Diabetes Typ 2 steckt eine sinkende Insulin­emp­find­lich­keit und eine damit ein­her­ge­hen­de Dys­funk­tion der Beta-Zellen in der Bauch­speichel­drüse. Diabetes Typ 2 tritt besonders im Er­wachs­en­en­alter auf, vor allem in einem Alter ab 40 Jahren.
Stephanie Haack
Tipp von Stephanie Haack: Wer eine Insulinpumpe benutzt, kann für kürzere Reisen eine Ersatzpumpe beim Hersteller anfordern. Foto: Stephanie Haack
Wer mit Diabetes – egal welchen Typs – auf Reisen geht, sollte wissen: Die Ver­sorg­ung für Menschen mit Diabetes ist in Deutschland und vielen anderen westlichen Ländern umfassend und gut. Dennoch können Sie sich nicht immer sicher sein, dass dieselben Insulin­präparate und Medi­kamente im Reise­land erhältlich sind. Des­wegen sollten Menschen mit Diabetes vor jedem Aus­lands­aufent­halt ein Gespräch mit ihrem Dia­beto­logen oder Haus­arzt führen. Wichtige Fragen dabei:
  • Wie viele und welche Medi­ka­men­te müssen mit? Idealer­weise wird die doppelte Menge an Medi­ka­men­ten und Insulin, die sonst in diesem Zeit­raum benötigt wird, eingepackt.
  • Welche medizinischen Vor­bereitungen sind wichtig? Zum Beispiel: Besteht aus­reichen­der Impf­schutz gegen Infektionen und Krank­heiten im Reise­land? Wichtige Impfungen sollten nachgeholt oder aufgefrischt werden. Wenn Sie auf der Suche nach Spezialisten sind, die Sie beraten können, nutzen Sie die Ärztevermittlung der Versicherungskammer Bayern.
Reisen Sie zu zweit oder in einer Gruppe, sollten Sie dem Reise­partner einen Teil Ihres Diabetes-Gepäcks übergeben. So sind Sie abgesichert, falls Ihr eigenes Gepäck ab­handen­kommt. Bereiten Sie sich zusätzlich auf einen Mangel an Insulin und Medi­ka­men­ten vor, indem Sie Symbole und Produkt­codes Ihrer Medikamente vorab abspeichern. Warum? Medi­ka­men­te können im Reise­land eine andere Bezeichnung und Auf­machung haben. Die gespeicherten Infor­mationen helfen Ihnen bei der Zuordnung. Machen Sie sich außerdem mit der Hand­habe von alternativen Hilfs­mitteln vertraut: Nutzen Sie im Alltag zum Beispiel eine Insulin­pumpe oder Medi­ka­men­te und gehen diese auf Reisen verloren oder kaputt, weichen viele auf den Insulin-Pen aus. Schulen Sie sich vorab in dessen Verwendung. Stephanies Tipp: „Ich habe für solche Fälle immer eine Anleitung in meiner Dropbox liegen, auf die ich jederzeit zugreifen kann.“

Checkliste: Diese Dokumente sollten Sie auf Reisen mit Diabetes dabeihaben

Sie planen eine internationale Reise und sind dafür mit dem Flugzeug unterwegs? Als Mensch mit Diabetes sollten Sie diese Dokumente unbedingt im Gepäck haben, damit es bei Sicherheitskontrollen und in Notfällen keine Komplikationen gibt.
Internationale ärztliche Bescheinigung
  • Hier sind alle Details zur Erkrankung, Therapie sowie zu mitzuführenden Medikamenten und entsprechendem Zubehör in Deutsch und Englisch (bestenfalls auch in der Sprache des Reiselandes) zusammengefasst. So können Sie Medikamente und Insulin problemlos mit ins Flugzeug nehmen. Die Bescheinigung enthält außerdem Informationen zur Reise, persönliche Daten und die Kontaktdaten des behandelnden Arztes. Das Dokument ist nur mit Stempel und ärztlicher Unterschrift gültig.
Internationaler Diabetesausweis
  • Der internationale Diabetesausweis enthält alle Informationen zu Ihrer Diabeteserkrankung und gibt Anleitungen für den Notfall, falls Sie auf die Hilfe anderer angewiesen sind. Bewahren Sie ihn griffbereit und am Körper auf, sodass Rettungskräfte den Diabetesausweis schnell finden können.
Gesundheitspass Diabetes
  • Alle relevanten Ergebnisse zur Reisevorbereitung und Ihre Gesundheitsdaten sind hier eingetragen. Somit hat der behandelnde Arzt im Reiseland alle Informationen, die er braucht. Ein Musterexemplar oder die App-Version gibt es auf der Webseite der Deutschen Diabetes Gesellschaft.
Europäischer Notfallausweis
  • Für Ersthelfer, Rettungsdienste und Ärzte ist der Notfallausweis essenziell, da alle Fakten zu chronischen Krankheiten (so auch Diabetes) und Vorerkrankungen in neun Sprachen aufgeführt sind. Darüber hinaus stehen im Notfallausweis Informationen zu Ihren Medikamenten und deren Dosierung.

Ab in den Urlaub! Worauf Men­schen mit Dia­betes un­ter­wegs ach­ten soll­ten

Ihre Reise ist gut durchgeplant? Wunderbar. Lehnen Sie sich zurück, freuen Sie sich auf die Auszeit und vertrauen Sie darauf, dass alles gut geht – schließlich wirkt sich auch Stress auf den Blutzuckerspiegel aus. So managen Sie Ihren Blutzucker während der An- und Abreise:
  • Unterwegs sollten Sie den Blutzucker öfter messen als gewohnt. Im Idealfall alle zwei bis drei Stunden. Das gilt besonders beim Fliegen mit Diabetes.
  • Denken Sie daran: Fliegen Sie Richtung Westen verlängert sich der Tag, womit auch der Bedarf an Insulin steigt. Bei Flügen nach Osten verkürzt sich der Tag und Sie brauchen weniger Insulin.
  • Alles im Blick: Beim Blutzuckermanagement hilft Ihnen die mysugr-App der Versicherungskammer Bayern.
  • Nehmen Sie für die Reise genügend Essen mit. Die Diabetesstiftung rät außerdem dazu, auf Flügen nicht das Diabetes-Menü zu wählen, da es sich dabei oft um eine kleine Portion handelt. Entscheiden Sie sich stattdessen für das vegetarische Menü.

Ziel erreicht – Die ersten Urlaubstage sind entscheidend

Meist ist der erste Tag nach der Ankunft die größte Herausforderung. Besonders dann, wenn Sie in eine andere Zeitzone gereist sind, müssen sich die innere Uhr und der Stoffwechsel erstmal anpassen. Halten Sie sich bei der Einnahme von Insulin und Medikamenten jedoch an Ihren gewohnten Rhythmus. Das erleichtert dem Körper die Umstellung und hilft Ihnen, die Einnahme nicht zu vergessen. Denken Sie auch daran, dass Ihr Urlaubstyp Einfluss auf den Blutzucker hat: Im Entspannungsurlaub bewegen Sie sich weniger und der Blutzucker steigt. Im Aktivurlaub bewegen Sie sich mehr, die Anstrengung ist höher – und der Blutzucker sinkt. Passen Sie Ihre Medikamentendosis entsprechend an. So oder so gilt: Behalten Sie den Blutzuckerspiegel immer im Blick.

Insulin kühlen im Urlaub: So geht‘s

  • Insulin sollte vor Licht geschützt und kühl gelagert werden. Verfärbt sich das Insulin bräunlich oder sieht es weißlich, schlierig und klumpig aus, ist es verdorben und unwirksam.
  • Informieren Sie sich, ob es in Ihrem Hotel eine Minibar mit Kühl­schrank gibt, in dem Sie das Insulin kühlen können oder lagern Sie es in einer speziellen Reise­kühl­tasche für Insulin.
  • Alternativ zur Kühl­tasche können Sie Insulin unterwegs in Styro­por­boxen, einer vorgekühlten Thermos­kanne oder auch in feuchten Hand­tüchern kühlen.
  • Wenn Sie sich unwirksam gewordenes Insulin verab­reichen, kann es sein, dass Sie es zunächst gar nicht bemerken. Messen Sie des­wegen auf Reisen häufiger als gewohnt Ihren Blut­zucker­spiegel.

Die Küche des Urlaubslandes genießen – auch mit Diabetes

Auch mit Diabetes können Sie auf Reisen ins Ausland kulinarische Spezialitäten uneingeschränkt genießen – nur bei exotischen Speisen sollten Sie vorsichtig sein. Legen Sie zusätzlich Wert auf Lebensmittel- und Trinkwasserhygiene. Dazu gehört auch, dass Sie besser ganz auf Eiswürfel verzichten. Haben Sie im Blick, wie Ihr Körper reagiert und probieren Sie auch gern mal was aus: Wie wär’s mit einem Kochkurs, bei dem Sie lernen, einheimische Köstlichkeiten zuzubereiten? Das macht Spaß, schmeckt gut und bringt Ihnen das Land auf eine ganz besondere Art näher. Stephanie Haack hat sich für einen Kochkurs in Thailand entschieden – und kam zu über­raschen­den Er­kennt­nissen: „Ich habe liebend gern thailändischen Papaya-Salat gegessen und dachte: Das ist kein Problem. Der besteht ja nur aus unreifer Papaya und hat wenig Zucker. Dem­ent­sprech­end oft habe ich ihn bestellt. Dann habe ich einen Kochkurs belegt und erstmal geschluckt, als ich gesehen habe, wie viel Zucker im Dressing des Papaya-Salats ist. Um so etwas herauszufinden, ist es lehrreich und vor allem spaßig, Kochkurse zu belegen.“
Trotz aller Vorsicht: Jeder kann im Urlaub mal krank werden und sich zum Beispiel einen Ma­gen­­darm­­infekt einfangen. Infor­mieren Sie sich im Vor­feld, in welchen Ländern Ihre Ver­sicher­ten­kar­te gültig ist. Be­son­ders gut ab­ge­sich­ert sind Sie mit einer Aus­lands­kran­ken­ver­sicher­ungen oder einer Reise­rück­tritts­ver­sicher­ung. Unser Tipp: Das Travel­paket der Versicherungskammer Bayern. Hier steckt genau der Schutz drin, der Sie entspannt reisen lässt.

Tipps für Lang­zeit­auf­ent­halte im Ausland

Sind Sie besonders lang im Ausland, ist es oft nicht möglich, einen ausreichend großen Vorrat an Medikamenten und Insulin mitzunehmen. Informieren Sie sich deshalb vorab über die medizinische Versorgung im Reiseland. Reicht diese nicht aus, brauchen Sie eine langfristige Lagermöglichkeit vor Ort.
Tipp: Nehmen Sie Kontakt zur Diabetes-Community auf und vernetzen Sie sich mit Menschen, die in Ihrem Reiseland leben oder dort Urlaub machen und Ihnen Medikamente und Insulin mitbringen können. Mit der Langzeit-Auslandskrankenversicherung der Versicherungskammer Bayern sichern Sie Ihre medizinische Versorgung zusätzlich ab.

Urlaub mit Diabetes: Lassen sie sich die Reiselust nicht nehmen

Urlaub mit Diabetes bedeutet Mehraufwand und niemand kann versprechen, dass die Reise für Sie als Mensch mit Diabetes ganz ohne Komplikationen verläuft. Bereiten Sie sich so gut es geht vor, legen Sie den Perfektionismus ab und lassen Sie sich die Reiselust nicht nehmen: „Wir haben manchmal die Traumvorstellung, dass unser Diabetes in einem entspannten Urlaub automatisch mitentspannt“, weiß Stephanie Haack. „Manchmal klappt es, manchmal aber auch nicht. Es ist schwierig herauszufinden, woran das liegt. Früher gab es die Annahme, dass Zuckerkonsum und sportliche Aktivitäten die Hauptursachen sind. In Wirklichkeit sind es über 40 Faktoren, die eine Rolle spielen: Unter anderem Wetter, Hormonhaushalt und Allergien – Dinge, die man oft nicht beeinflussen oder kontrollieren kann. Es ist wichtig, das hinzunehmen. Auch wenn es schwer ist, das Ganze sportlich zu sehen, sollte man sich die Lebenslust als Mensch mit Diabetes nie nehmen lassen.“

Mit Diabetes auf Reisen: Was tun im Notfall?

  • Halten Sie für den Notfall immer den Europäischen Notfallausweis sowie den internationalen Diabetesausweis bereit.
  • Rufen Sie die Notrufnummer Ihrer Reiseversicherung an und geben Sie den Namen der Klinik, des behandelnden Arztes und die Telefonnummer der Klinik durch.
  • Sprechen Sie vor Eingriffen und Diagnosen im Ausland mit einem Klinik-Facharzt und stellen Sie sicher, dass Ihre individuellen Anforderungen berücksichtigt werden.
  • Unterschreiben Sie in der Klinik keine Dokumente zur Kostenübernahme oder Ähnliches, solange Sie nicht mit Ihrer Reiseversicherung Rücksprache gehalten haben.
  • Behalten Sie wichtige Dokumente wie Reisepass oder Europäischen Notfallausweis immer bei sich und geben Sie diese nicht an die Klinik oder den Arzt weiter – auch, wenn Sie dazu aufgefordert werden.