Angemessene Rendite mit klaren Prinzipien

Verantwortung übernehmen

Unsere Kapitalanlage ist ein wirkungsvoller Hebel, den wir auch in puncto Nachhaltigkeit verantwortungsvoll nutzen wollen.

Durch die vom Konzern Versicherungskammer finanzierten Anlagen für Wind- und Solarenergie wurden im Geschäftsjahr 2021 anteilig mehr als 1,27 Terawattstunden erneuerbare Energie erzeugt.

Drei technische Mitarbeiter mit Schutzhelmen vor einer Kulisse von Wind- und Solarenergieanlagen

Stabilität in Zeiten des Wandels

Neben Sicherheit, Qualität, Liquidität und Rentabilität ist Nachhaltigkeit ein wichtiger Aspekt in unserer Kapitalanlage.

Die langfristige und nachhaltige Erfüllbarkeit der versicherungsseitigen Verpflichtungen ist das zentrale Ziel unserer Kapitalanlage; damit werden wir unserer Verantwortung gegenüber unseren Kunden gerecht.

Die Welt befindet sich konstant im Wandel. Deshalb ist es für uns als Kapitalanleger unabdingbar, wirtschaftliche Chancen und Risiken, welche durch neue Entwicklungen und Transformationsprozesse entstehen, zu erkennen und systematisch in unseren Anlageentscheidungen zu berücksichtigen. Die Leitplanken für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung gibt die Politik vor. Entsprechend berücksichtigen wir in unseren Überlegungen und Bewertungen auch internationale, supranationale und nationale Gesetze, Abkommen und Ziele, wie beispielsweise das Pariser Klimaschutzabkommen und die Nachhaltigkeitsziele Sustainable Development Goals (SDGs) als Übereinkunft der internationalen Staatengemeinschaft oder den Green Deal der Europäischen Kommission.

Wir sind uns bewusst, dass unsere Kapitalanlage ein wirkungsvoller Hebel ist, und möchten diese unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit verantwortungsvoll gestalten. Die Nachhaltigkeits-Strategie für die Kapitalanlage gibt einen Mindeststandard vor, der grundlegende Standards eines nachhaltigen Wirtschaftens einfordert und unserem Selbstverständnis als Versicherer der Regionen mit öffentlichem Auftrag gerecht wird. Zusätzlich wollen wir neben geltenden Mindeststandards gezielt auch Anlagemöglichkeiten realisieren, bei denen neben einer angemessenen Rendite ein messbarer, positiver Beitrag für Umwelt und Gesellschaft entsteht.

Bis 2050 treibhausgasneutrale Anlagen

Wir verstehen Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage als einen fortlaufenden Prozess. Bereits seit 2015 haben wir Spekulationen auf Nahrungsmittel oder Kapitalanlagen in Agrarrohstoffe ausgeschlossen. Damals wurde zudem für uns ein Zertifikat zur Finanzierung erneuerbarer Energien aufgelegt. Dieses Engagement haben wir sukzessive ausgebaut, sodass heute insgesamt 15 Solar- und 14 Windparks sowie sechs Wasserkraftwerke in Deutschland, Frankreich, Dänemark und Portugal mit einer jährlichen Leistung von rund 400 MWh finanziert werden. Im Jahr 2017 haben wir uns entschieden, Unternehmen, welche mit Streumunition in Verbindung stehen, für unsere Kapitalanlage auszuschließen.

Mit unserem Beitritt zu den Principles for Responsible Investment (PRI) im Jahr 2019 haben wir unseren Ansatz, Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage zu berücksichtigen, in ein internationales Rahmenwerk eingebettet und entwickeln diesen entlang der sechs einhergehenden Prinzipien fort. Eines der Ziele der gleichnamigen Finanzinitiative ist es, ein besseres Verständnis der Auswirkungen von Anlageentscheidungen auf die ESG-Kriterien Umwelt, Soziales und Unternehmensführung zu erlangen. Als Unterzeichner der Prinzipien stellen wir sicher, dass unser Ansatz Marktstandards entspricht und der Austausch mit anderen Finanzmarktakteuren gewährleistet wird.

In Übereinstimmung mit einer Verlautbarung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) vom Januar 2021 streben wir an, unsere Kapitalanlagen bis 2050 treibhausgasneutral zu gestalten. Dazu haben wir ein Team etabliert, das die zukünftige strategische nachhaltige Ausrichtung der Kapitalanlage des Konzerns verantwortet. Die Strategie beschreibt unser Nachhaltigkeitsverständnis, formalisiert Ziele und formuliert Maßnahmen zur Umsetzung.

Infografik mit 6 Prinzipien für veranwortungsvolles Investieren der PRI

Wir überprüfen unsere Strategie regelmäßig auf Anpassungsbedarf, um neuen Entwicklungen Rechnung tragen zu können. Gemeinsam mit unseren Anlagespezialisten stehen wir im regelmäßigen Austausch, um die Nachhaltigkeit unserer Kapitalanlagen im ökonomischen und gesellschaftlichen Sinne langfristig sicherzustellen.

Nachhaltigkeit als neue Dimension

Um die langfristige und nachhaltige Erfüllbarkeit der versicherungsseitigen Verpflichtungen zu gewährleisten und unserem Selbstverständnis als verantwortungsvoller Investor nachzukommen, haben wir die Kriterien für die Auswahl unserer Kapitalanlagen (Sicherheit, Qualität, Liquidität und Rentabilität) um die Dimension der Nachhaltigkeit erweitert. Unsere Strategie haben wir in ESG-Investmentansätzen konkretisiert. Chancen und Risiken von Anlagemöglichkeiten werden durch unsere Anlagespezialisten erkannt und bei Entscheidungsprozessen berücksichtigt. Auch ESG-Aspekte können Treiber von Chancen und Risiken sein. So können beispielsweise eine zunehmende Dekarbonisierung der Wirtschaft oder auch die demografische Entwicklung die Profitabilität von Unternehmen beeinflussen, je nachdem, wie gut sie darauf vorbereitet sind.

Deshalb analysieren unsere Investment Manager der unterschiedlichen Anlageklassen auch ESG-Aspekte bei der Bewertung von Anlagemöglichkeiten und berücksichtigen relevante Faktoren im Anlageprozess. Im Geschäftsjahr 2021 haben wir den Austausch zu ESG-Themen mit Mitarbeitern unserer Asset-Management-Gesellschaft Tecta Invest GmbH verstärkt, um sie für übergeordnete Trends zu sensibilisieren.

Darüber hinaus möchten wir schrittweise einen Mindeststandard für alle Kapitalanlagen schaffen, der unserem Werteverständnis entspricht und sich an internationalen Rahmenwerken orientiert. Bei der Umsetzung fokussieren wir uns zunächst auf solche Anlageformen und Instrumente, auf deren Ausgestaltung wir direkt Einfluss nehmen können. Neu festgelegte Anforderungen gelten für die Neuanlage.

ESG-Investmentansätze in unserer Kapitalanlage

Für Menschenrechte und Umweltschutz

Unsere bestehenden Ausschlüsse haben wir im Geschäftsjahr 2021 unter anderem um chemische oder biologische Waffen erweitert, die durch internationale Abkommen geächtet oder verboten sind. Aufgrund der Dringlichkeit der Dekarbonisierung der Wirtschaft haben wir uns dazu entschieden, Unternehmen von der Anlage auszuschließen, welche mehr als 5 Prozent ihres Umsatzes mit der Förderung von Kohle oder mehr als 25 Prozent ihres Umsatzes mit der Verstromung von Kohle erwirtschaften.

Ebenso schließen wir Direktanlagen in Unternehmen, welche im Anbau und der Verarbeitung von Tabak tätig sind, für das Geschäftsfeld Krankenversicherung aus. Im Geschäftsjahr 2021 haben wir den Dialog mit Vermögensverwaltern sowie Kapitalverwaltungsgesellschaften fortgeführt, um die Anwendung dieser Ausschlüsse in dem oben beschriebenen Rahmen umzusetzen.

Wir sind der Überzeugung, dass die Einhaltung grundlegender Standards in den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umweltschutz und Korruptionsprävention in einer globalisierten Welt besonders wichtig ist. Deshalb vermeiden wir Neuanlagen in Unternehmen, bei welchen schwerwiegende Verstöße gegen die zehn Prinzipien des UN Global Compact (UNGC) bekannt sind. Der UNGC ist die weltweit größte Initiative für verantwortungsvolle Unternehmensführung und basiert auf internationalen Konventionen, wie beispiels­weise der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte oder der Erklärung der Internationalen Arbeitsorganisation zu den Grundprinzipien und Grundrechten am Arbeitsplatz.

Für unsere gesamten Kapitalanlagen in Unternehmen im liquiden Bereich, für welche eine entsprechende Information über unseren ESG-Datenanbieter zur Verfügung steht, haben wir uns zum Ziel gesetzt, dass mindestens 95 Prozent keine solchen Verstöße aufweisen. Um die Einhaltung der Mindeststandards sicherzustellen, analysieren wir unsere Bestände regelmäßig. Zudem überprüfen wir kontinuierlich unsere Nachhaltigkeits-Strategie für die Kapitalanlage auf Aktualität. Die daraus resultierenden Erkenntnisse sowie ESG-Aspekte ausgewählter Einzeltransaktionen werden auch im Investment Committee unter Vorsitz des Finanzvorstands besprochen.

Die 10 Prinzipien der UN Global Compact
Gregor Farnschläder

Gregor Farnschläder
Hauptabteilungsleiter Anlagestrategie und Beteiligungen, seit 20 Jahren im Unternehmen

Als Versicherer mit öffentlichem Auftrag nutzen wir den Hebel unserer Kapitalanlage, um neben einer angemessenen Rendite einen Beitrag für Umwelt und Gesellschaft zu leisten. Durch den Dialog mit Unternehmen möchten wir als langfristiger Anleger zu positiven Veränderungen und einer nachhaltigen Transformation beitragen.

Wir übernehmen Verantwortung

Die Ausübung von Stimmrechten und der Dialog mit investierten Unternehmen gehören für uns zu einer verantwortungsbewussten Kapitalanlage. Während die bloße Veräußerung eines Anteils mitunter nur wenig verändert, kann man sich als Investor oder Anteilseigner durch einen aktiven, konstruktiven und zielgerichteten Dialog zu wichtigen Nachhaltigkeitsaspekten austauschen, im besten Fall eine positive Veränderung herbeiführen und bestimmte Entscheidungen konkret beeinflussen.

Unsere Möglichkeiten als Investor hängen von der Höhe unserer Beteiligung sowie davon ab, ob wir das Engagement direkt halten oder indirekt über Fonds investiert sind. In beiden Fällen werden wir zukünftig unsere Möglichkeiten als aktiver Eigentümer verstärkt nutzen. Bei kleineren oder indirekten Beteiligungen geschieht dies durch die Zusammenarbeit mit Fonds- und Kapitalverwaltungsgesellschaften sowie mit anderen Anteilseignern. Hierfür haben wir 2021 den Austausch mit Kapitalverwaltungs- und Dienstleistungsgesellschaften intensiviert, um entsprechende Prozesse zu strukturieren und zu etablieren.

Die Kapitalanlage ist durch ihre finanzierende Funktion ein wirkungsvoller Hebel, um eine nachhaltige Entwicklung zu unterstützen. Wir sind darauf bedacht, Anlagemöglichkeiten zu identifizieren, die eine angemessene Rendite für die Unternehmen des Konzerns und ihre Versicherten erzielen und gleichzeitig einen positiven Beitrag für Umwelt und Gesellschaft generieren. Hierfür orientieren wir uns insbesondere an den nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen, den sogenannten SDGs.

Infografik zu unseren Investments in Erneuerbare-Energien-Infrastruktur haben eine positive Auswirkung auf den Strommix

Unsere Investments in Erneuerbare-Energien-Infrastruktur haben eine positive Auswirkung auf den Strommix.

Eine für 2021 zu nennende Investition ist unter anderem die Ausweitung unseres Engagements in dem Spezialfonds Encavis Infrastructure Fund III um 150 Millionen Euro. Im Zuge dieser Transaktion erwarb der Fonds zusätzlich zu den bestehenden Wind- und Solarparks in Deutschland, Frankreich, Österreich und Finnland den niederländischen Solarpark „Vlagtwedde“. Die Solaranlage ist als sogenanntes „Agrovoltaik“-Projekt ein Beispiel dafür, wie verschiedene Nachhaltigkeitsdimensionen Hand in Hand gehen können: So stellt die auf dem Gelände des Parks befindliche Blaubeerfarm die landschaftliche Integration sicher, schafft zusätzliche Arbeitsplätze in der Gemeinde und erhöht die Biodiversität.

Als weiteres Beispiel ist der Konzern Versicherungskammer seit Januar 2021 als Ankerinvestor bei der BayWa r.e., einem Entwickler, Dienstleister, Photovoltaik-Großhändler und Anbieter von Energielösungen im Bereich der erneuerbaren Energien, investiert. Mit Standorten in 30 Ländern arbeitet die BayWa r.e. weltweit an Fragestellungen, wie Energie produziert, gespeichert und am besten genutzt werden kann, um die Energiewende umzusetzen.

Die Finanzierung der Errichtung oder des Betriebs von Solar- oder Windparks ist ein wichtiger Faktor, um den Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Strommix zu erhöhen. Dadurch verbessert sich die Treibhausgasintensität des produzierten und verbrauchten Stroms. Diese Indikatoren werden von der EU unter anderem herangezogen, um den Fortschritt hinsichtlich der SDGs 7 und 13 zu bewerten. Durch die vom Konzern finanzierten Anlagen wurden im Geschäftsjahr 2021 anteilig mehr als 1,27 TWh erzeugt. Zum Vergleich: Der Bruttostromverbrauch in Deutschland lag im Jahr 2021 bei 565 TWh.

Chancen erkennen, Risiken gegensteuern

Die zunehmende Globalisierung und Digitalisierung sowie der Klimawandel und die aktuelle Corona-Pandemie stellen die Unternehmen vor neue Herausforderungen und machen deren Risikolandschaft zunehmend komplexer. Um auf eventuelle Unsicherheiten der Zukunft vorbereitet zu sein und um eine adäquate und effektive Unternehmenssteuerung in Krisenzeiten sicherzustellen, baut der Konzern Versicherungskammer auf ein umfassendes Risikomanagementsystem, das Aspekte wie Cyber-, Klima- und Pandemie-Risiken mitberücksichtigt.

Unser Risikomanagement ermöglicht es uns, Risiken, aber auch Chancen frühzeitig zu erkennen und zu steuern. Für die Durchführung und Weiterentwicklung des Risikomanagements ist beim Konzern der Vorstand verantwortlich. Er trifft hier gemäß § 91 Abs. 2 AktG geeignete Maßnahmen, um den Fortbestand des Unternehmens zu sichern und gefährdende Entwicklungen frühzeitig zu erkennen. Die Aufgabe der unabhängigen Risikomanagementfunktion (uRCF) wird in unserem Konzern zentral von der Abteilung Konzernrisikocontrolling ausgeführt, welche die Risikomanagementaktivitäten umfassend koordiniert.

Die Grundsätze des Risikomanagements sind in der Risikostrategie des Konzerns verankert. Sie wird jährlich durch den Vorstand überprüft und bei Bedarf aktualisiert. Unser Risikomanagement umfasst Identifizierung, Bewertung, Steuerung sowie Berichterstattung und Kommunikation aller Chancen und Risiken. Dabei werden im gesamten Risikomanagementprozess auch Nachhaltigkeitsrisiken berücksichtigt. Diese verstehen wir im Sinne der BaFin nicht als separate Risikoart, sondern als Faktoren, die alle Risikoarten erheblich beeinflussen können. Nachhaltigkeitsrisiken können demnach Ereignisse aus den Bereichen Umwelt, Soziales oder Unternehmensführung sein, deren Eintreten tatsächliche oder mögliche negative Folgen auf die Vermögens-, Finanz- oder Ertragslage sowie auf die Reputation eines Unternehmens haben könnten.

Die Betrachtung der Nachhaltigkeitsrisiken ist für uns nicht neu, sondern war bereits in den Risikomanagementprozess integriert. Vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen und technischen Entwicklungen der letzten Jahre spielt das Thema Nachhaltigkeit sowohl in Politik und Wirtschaft als auch in der Gesellschaft eine immer größere Rolle. Deshalb nehmen Nachhaltigkeitsrisiken im Risikomanagementprozess und bei Kapitalanlageentscheidungen einen hohen Stellenwert ein. Nachhaltigkeitsrisiken werden als Faktoren der bekannten Risikoarten wie etwa Gegenparteirisiken und Marktrisiken identifiziert und bewertet. Dies findet sich beispielsweise bei neuartigen Investitionen im Zuge des „Neue-Produkte-Prozesses“.

Bei der Analyse ausgewählter Einzelinvestitionen unter ESG-Gesichtspunkten und übergeordneten ESG-Trends können Handlungsempfehlungen abgeleitet werden. Die im Kapitel Kapitalanlage beschriebenen Elemente sind Werkzeuge zur Risikominimierung, insbesondere durch Risikovermeidung (z. B. Ausschlusskriterien) bzw. durch Risikomitigation (z. B. normbasiertes Screening, Active Ownership).

In der jährlich vom Konzernrisikocontrolling durchgeführten Risikoinventur werden gemeinsam mit den dezentralen Risikoverantwortlichen alle für die einzelnen Versicherungsunternehmen und den Konzern identifizierten Einzel- und Kumulrisiken bewertet und dokumentiert. Ein besonderes Augenmerk richten wir auf die Analyse und Bewertung möglicher Interdependenzen von Nachhaltigkeitsrisiken. Die Ergebnisse der Risikoinventur fließen in das Risikoprofil der Unternehmen ein. Noch im Entstehungsprozess befindliche Nachhaltigkeitsrisiken sind gegebenenfalls auch im Rahmen der Erfassung von Emerging Risks von Relevanz und werden entsprechend berücksichtigt. Detailliertere Informationen zu den spezifischen Risiken sind dem Geschäftsbericht des Konzerns Versicherungskammer zu entnehmen.

Eine bepflanzte Holzwanf aus Europaletten in einer Bürosituation mit zwei Damen die ein Gespräch führen

Stresstests zum Klimawandel

Infografik zu Auswirkungen von Klimarisiken auf die bestehenden Risikoarten

Unser Verständnis der Auswirkungen von Klimarisiken auf die bestehenden Risikoarten

Zur Beurteilung der Auswirkung einzelner Risiken auf die Risikotragfähigkeit führen wir regelmäßig Stresstests und Szenarioanalysen durch. Dabei überprüfen wir, ob die bestehenden unternehmensindividuellen Kontrollen die spezifischen Nachhaltigkeitsaspekte in geeigneter Weise berücksichtigen, und justieren bei Bedarf nach.

Ein besonderer Fokus bei den Stresstests bzw. Szenarioanalysen liegt momentan auf dem Bereich der physischen Risiken. Aufgrund unseres hohen Gebäudeversicherungsbestandes sind wir gegenüber Naturgefahren exponiert. Die weiteren Auswirkungen des Klimawandels werden sich direkt in der Frequenz und der Schadenhöhe von Extremwetterereignissen wie z.B. Hagel, Sturm, Überschwemmung oder Trockenheit, bemerkbar machen. Es ist zu erwarten, dass sich das Auftreten von Naturkatastrophen stark häufen wird und es in Zukunft zu einem Anstieg der daraus resultierenden Schäden kommt. Gleichzeitig gilt es zu berücksichtigen, dass die Auswirkungen des Klimawandels durch sich ändernde Vertragsbedingungen, Ausschlüsse oder den Einkauf geeigneter Rückversicherung vermindert werden können.

Wir haben die langfristigen Auswirkungen des Klimawandels auf die Schadenerwartung unserer Kompositversicherungsunternehmen und des Konzerns auf Basis einer Studie des GDV untersucht, die von einem zu erwartenden Temperaturanstieg von über 2 Grad Celsius bis ins Jahr 2070 ausgeht. Dabei werden signifikant höhere Sturm- und Hochwasserfrequenzen bis hin zur Verdoppelung der heutigen Schadenerfahrung unterstellt.

Die Ergebnisse der Analyse zeigen, dass beim angenommenen Temperaturanstieg und bei den einhergehenden höheren Risikokapitalbedarfen die Unternehmen und der Konzern weiterhin ausreichend kapitalisiert wären und somit keine Gefährdung der Risikotragfähigkeit bestehen würde. Zur Steuerung des Naturgefahrenrisikos werden beim Konzern auch zukünftig die Schadenentwicklungstrends bei den Elementarereignissen genau untersucht und durch entsprechende Anpassungen der Zeichnungsrichtlinien und der Rückversicherungsvereinbarungen begrenzt.

Für unsere Personenversicherungsgesellschaften analysieren wir die möglichen langfristigen Auswirkungen des Klimawandels und der damit einhergehenden Extremwetterereignisse auf die Sterbe- und Krankheitsrisiken. Diese Untersuchungen erfolgen aufgrund der bisher mangelnden Datenlage auf qualitativer Basis.

Eine der größten Herausforderungen im Bereich des Nachhaltigkeitsrisikomanagements in den nächsten Jahren wird es sein, geeignete Vorgehen zur Quantifizierung von Nachhaltigkeitsrisiken zu definieren und die dafür notwendige Datengrundlage aufzubauen, damit eine effektive Risikosteuerung sichergestellt ist.

Schrittweise schaffen wir einen Mindeststandard für alle Kapitalanlagen, der unserem Werteverständnis entspricht.