Ausstellungszeitraum 15.11.2000 bis 13.01.2001
Uli Pohl: Retrospektive - Skulpturen, Zeichnungen, Druckgrafiken
Der Bildhauer Uli Pohl, 1935 in München geboren, setzt sich in seinem Werk mit Licht als Gestaltungsmittel auseinander. Durch die Klarheit und Transparenz ist Glas das für ihn brauchbarste Material. Als erster Künstler überhaupt verwendet Uli Pohl ab 1958 kompakte Acrylglasblöcke. Als konkreter Künstler entwickelt er eine strenge Formensprache; sein Vorgehen ist konzeptionell: Pohl bearbeitet zu Beginn die Mitte von geometrischen Körpern, es folgen Veränderungen von Eckpartien und Gesamtform. Über eine vertikale, symmetrische Teilung gelangt Pohl schließlich zu schmalen Stelen.
Je nach Standort ergeben sich Lichtreflexe, Brechungen oder Spiegelungen; mit jeder Bewegung des Betrachters verändern sich die Skulpturen. Gerade das durchsichtige Acrylglas hebt die Grenze zwischen Raum und Kunstwerk auf. Dadurch entsteht eine spannungsvolle Wechselbeziehung zwischen Betrachter, Skulptur und Raum. Acrylglas verkörpert für Uli Pohl nicht nur formale, sondern auch inhaltliche Neutralität. „Meine Objekte verheimlichen nichts; sie sind offen für jeden Betrachter; sie belehren nicht und plädieren nicht“ (Uli Pohl 1963).
Mit der Transparenz von Form- und Werkprozess; sowie einer unvoreingenommenen Begegnung zwischen Kunstwerk und Betrachter reagiert Uli Pohl auf die subjektiv-emotionale Kunst der Nachkriegszeit. Diese Auseinandersetzung mit informeller und tachistischer Kunst, die auch in den internationalen Gruppen ZERO und Nouvelle Tendance zum Ausdruck kommt, ist charakteristisch für die Generation der um 1930 geborenen Künstler.
Nach der großen Einzelausstellung von Uli Pohl im Wilhelm-Lehmbruck-Museum Duisburg 1976 bietet die Retrospektive zu dessen 65. Geburtstag in der Versicherungskammer Bayern mit zahlreichen Leihgaben namhafter Museen und Privatsammlungen die Gelegenheit, seinen faszinierenden Arbeiten wiederzubegegnen. Eine Betrachtung der insgesamt rund 75 Plastiken, Zeichnungen und Druckgrafiken erlaubt es, den Eindruck der Kunstkritikerin Juliane Roth zu überprüfen: „Die Taten des Lichts haben hier eine so unmittelbare Evidenz und sind zugleich so schön in ihrer gleitenden Bewegungsfülle, dass man sich an den Objekten gar nicht satt sehen kann.“
Lebenslauf
| 1935 | geboren in München |
| 1954-61 | Studium an der Akademie der Bildenden Künste München bei Ernst Geitlinger; Diplom |
| seit 1958 | lichtplastische Skulpturen in Acrylglas |
| seit 1961 | Beteiligung an Ausstellungen der Gruppe ZERO; Mitglied der internationalen Gruppe Nouvelle Tendance, Paris. Teilnahme an sämtlichen Ausstellungen dieser Gruppe u.a. im Louvre, Paris und Museum of Modern Art, New York |
| 1962-67 | neben der künstlerischen Arbeit Szenen- und Kostümbildner für das Deutsche Fernsehen, Bayerischer Rundfunk |
| 1963 | Großer Preis der IV. Biennale San Marino (gemeinsam mit der Gruppe ZERO); Fernsehfilm über die Bildhauer Wotruba, Avramidis und Urteil für den Hessischen Rundfunk |
| 1967-71 | Lehrtätigkeit an der Hochschule für Bildende Künste, Hamburg; Lehraufträge in Bremen und Offenbach |
| 1971 | Kunstpreis der Böttcherstraße, Bremen |
| 1980 | Großer Preis und Bürgerpreis der 1. Triennale für Kleinplastik, Fellbach |
| 1989-92 | Mitglied des Vorstandes im Deutschen Künstlerbund |
| 1989-92 | Mitglied des Kuratoriums des Kunstfonds e.V. |
| 1990-93 | Vorsitzender der Internationalen Gesellschaft der Bildenden Künste |
| Uli Pohl lebt und arbeitet in Blaustein bei Ulm |
