Ausstellungszeitraum: 12.11.2003 bis 25.01.2004
"Breite gewinnen" - Ausgewählte Plakate 1948-1980 von HAP Grieshaber
Die diesjährige Ausstellung zur Plakatkunst ist HAP Grieshaber (1909-1981) gewidmet.
Die Versicherungskammer Bayern zeigt in einer Auswahl annähernd einhundert der bedeutendsten und eindrucksvollsten Plakate. Insgesamt umfasst das plakatgrafische Werk Grieshabers rund 220 Blätter. Sie enthalten zentrale künstlerische Aussagen.
Für die Gestaltung von Plakaten, die er stets als Holzschnitte ausführt, ist Grieshaber als gelernter Typograf und Schriftgestalter sowohl technisch als auch handwerklich bestens gerüstet. Grieshaber entwirft zunächst Plakate für Künstlerkollegen, Galerien und eigene Ausstellungen. In den 1960er und 1970er Jahren bewirbt er kulturelle Veranstaltungen und unterstützt politische Aktivitäten gegen militärische und diktatorische Unterdrückung.
Grieshabers Plakate dokumentieren sowohl seinen kompromisslosen Einsatz für Freiheit und Demokratie als auch seinen Wunsch nach einem ursprünglichen, harmonischen Miteinander von Mensch und Natur.
Grieshaber vereint, mit Joseph Beuys vergleichbar, politisch-gesellschaftliches Engagement, pädagogisches Ethos und künstlerische Originalität. Im Holzschnitt findet er das Medium, das seinem Naturell und seinem künstlerischen Auftrag entspricht. Ausgehend von expressionistischen Holzschnitten und Anregungen gotischer Einblattdrucke, entwickelt Grieshaber in den 1940er Jahren eine vitale, figürlich-ornamentale Formensprache. Als Lehrer an der privaten Bernsteinschule in Sulz am Neckar sowie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe übt er starken Einfluss auf die Entwicklung der (figürlichen) Kunst in den 1960er Jahren aus.
Lebenslauf HAP Grieshaber
| 1909 | geboren in Rot an der Rot (Oberschwaben) |
| 1915-26 | Schulzeit in Nagold und Reutlingen |
| 1926-27 | Schriftsetzerlehre in Reutlingen |
| 1926-28 | Besuch der Staatlichen Kunstgewerbeschule Stuttgart |
| 1931-33 | in Ägypten und Griechenland, Gründer und Herausgeber der kulturpolitischen Zeitschrift "Deutsche Zeitung" in Athen |
| seit 1932 | Holzschnitte |
| 1933-40 | Rückkehr nach Deutschland; Hilfsarbeiter und Zeitungsausträger in Reutlingen |
| 1933-45 | keine Ausstellungsmöglichkeit, jedoch entstehen sogenannte "Reutlinger Drucke" |
| 1940-45 | Soldat, in den letzten Jahren im Elsaß stationiert, wo illegale Drucke entstehen |
| 1947 | Rückkehr nach Reutlingen, lebt und arbeitet fortan in einem selbstgebauten Atelierhaus an der Achalm |
| 1950 | Grieshaber wirkt an der Neugründung des Deutschen Künstlerbundes mit |
| 1951 | Kunstpreis "Junger Westen" |
| 1951-53 | Lehrer an der Bernsteinschule in Sulz am Neckar |
| 1955 | Professur an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe |
| 1956 | Berufung an die Akademie der Künste Berlin sowie in den deutschen Kunstrat |
| 1957 | Oberschwäbischer Kunstpreis |
| 1960 | Rücktritt vom Lehramt an der Karlsruher Akademie aus Protest gegen die Prüfungsordnung |
| 1960-62 | Zusammenarbeit mit Walter Warnach und Heinrich Böll an der von Werner von Trott herausgegebenen Zeitschrift "Labyrinth" |
| 1961 | Kunstpreis der Stadt Darmstadt |
| 1962 | Cornelius-Preis der Stadt Düsseldorf |
| seit 1964 | Gründer und Herausgeber der Publikation "Engel der Geschichte" |
| 1968 | Kulturpreis des Deutschen Gewerkschaftsbundes |
| 1971 | Dürer-Preis der Stadt Nürnberg |
| 1976 | Stiftung des "Jerg-Ratgeb-Preises (seit 1987 von der Stiftung HAP Grieshaber weitergeführt) |
| 1978 | Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig; Wahl zum korrespondierenden Mitglied der Akademie der Künste Berlin-Ost |
| 1981 | stirbt in Reutlingen |
| 1987 | Gründung des "Freundeskreises HAP Grieshaber" |
